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Alexander Kunz
Diderot vs. Hornby

 

Alexander Kunz:
DIDEROT VS. HORNBY

Auch dies eine Leserfahrung die mal gemacht werden mußte, aber konnte es denn anders kommen bei Diderots zweifellos schlechtesten Buch.

Also das ganze fing so an: Ich brauchte Unterhaltung. Aber der Griff in die Kiste mit den angesammelten Büchern ging erst mal daneben. Denn kurz vor dem Greifen des Diderot-Buches zuckte die Hand ein Stück zurück und griff zu Nick Hornbys "High Fidelity". Und das war ein Fehlgriff, der aber nötig war, denn man will ja hin und wieder auch wissen, was dran ist an dem Hype. Um dann wieder sagen zu können: "Glaubt ihm nicht". Deswegen hier eine Gegenüberstellung von zwei Büchern, die mit verschiedenen Leseerfahrungen verbunden sind, das eine (Hornby) mit doch recht anständiger Aufmerksamkeit, das andere (Diderot) immer mal so häppchenweise, in der Bahn, in der Pause usw., gelesen . Gemein haben beide Bücher den Vorzeigeunterhaltungsfaktor, Diderots "Indiskrete Kleinode" war zum Zeitpunkt seines Erscheinens ein billiges Schundwerk, Diderot wollte später nichts mehr davon wissen, war halt auch erst mal zum Geldmachen gedacht, denn Bücher mit märchenhaft-arabischem Charakter hatten damals Hochkonjunktur wie heute die ganze Pop-Scheiße, für die Hornby einer der Hauptverantwortlichen ist. Das Buch, für das sich Diderot incl. seiner ganzen Familie, Freunde, Verleger, Exegeten etc. wenig später schämen würde ist aber immer noch gut im Vergleich zu "High Fidelity", bei dessen Lektüre man nicht nur das unangenehme Gefühl bekommt, der Erzähler halte sein Geplauder für wichtig, nein, auch der Autor/Schöpfer dieser Figur wird ähnlich denken/fühlen. Hornbys Elaborat ist halt wie Big Brother gucken: macht zehn Minuten Spaß, dann wird einem aber schlecht und man kriegt Gewaltphantasien wie damals Rolf Dieter Brinkmann an der Wursttheke, so nach dem Motto "entweder mit dem Knüppel draufhauen oder direkt weg von hier". Ja und den Fast Food-Vergleich wollte ich eigentlich nicht bemühen, um nicht den Eindruck zu erwecken, ich würde kein Fast Food mögen, nein, ich geh auch gern zu McDonalds, aber auch da: wenns zuviel wird muß man kotzen und 2. : man weiß eigentlich die ganze Zeit, daß das ja streng genommen, ziemlicher Dreck ist, den man sich da reintut. Während die "Indiskreten Kleinode": die verhalten sich zu " High Fidelity" wie eine Schachtel edelster Pralinen zu einem lauwarmen Cheeseburger. Ich habe noch die alte Ullstein-Taschenbuchausgabe, Band 2 von Diderots erzählerischem Gesamtwerk, man schaue sich nur das Titelblatt an, goldumrandet, schöne Schnörkelschrift und in der Mitte eine Zeichnung von Charles Lapicque, an den guten alten Cocteau erinnernd. Wahrlich! Eine Schachtel Pralinen! Und so komme ich wieder zurück zum Anfang, denn so sollte man sie genießen, die 54 kurzen jeweils übertitelten Kapitel, mal hier eine, mal da eine; sie können auch dein Leben versüßen. (Trotzdem: ein doch sehr dürftiges Buch von Diderot, aber immer noch besser als...aber lassen wir das).

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