Kolumnen

  x
 

Alexander Kunz (neu)
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 3

Alexander Kunz
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 2

Alexander Kunz
Kolumne: Ich sah ds Elend flimmern ...:
Teil 1

René Hamann
Kolumne 1 - die Zweite


Serie:
Die Schreckliche Wahrheit über Comics

Teil 3 -
Klaus Schikowski
Faszinationen in Frankfurt.
Comics auf der Frankfuter Buchmesse 2006

Teil 2 -
Lotte
Comic-Herbst


Teil 1 -
Klaus Schikowski
Der Sommer der Liebe oder Eine Reise zum Comic-Salon Erlangen

 

Klaus Schikowski

FASZINATIONEN IN FRANKFURT. Comics auf der Frankfurter Buchmesse 2006

Was ist passiert und wohin führt uns das alles? Die Faszination für die Comics auf der Frankfurter Buchmesse ist vorbei. Die kleine abgeschottete Ecke in Halle 3.0, wo sich die Bildgeschichte präsentiert, wurde zwar auch in diesem Jahr wieder zahlreich besucht, allerdings bekommt man nicht das Gefühl, dass Fachfremde den Fuß auf dieses Terrain setzen. Dabei hat die Organisation alles getan, um ein umfassendes Programm zusammenzustellen. Im nachhinein natürlich wieder die alten, unausstehlichen Kindergartenstreitereien (nachzulesen bei comicforum.de) einer Szene, die doch eigentlich zusammenhalten sollte. Auf der anderen Seite gibt es keine "Comic-communityorientierte Verantwortlichkeit", wie es so mancher Verleger gerne sähe. Welche Community, bitteschön? Es scheint als würde es eine seltsame Gemeinsamkeit im dissen geben. Rätselhaft. Neid? Profilneurose? So manchem möchte man zurufen: Macht gute Comics, dann kommt die Anerkennung von alleine. Bis dahin gilt: Bildet Banden, bildet Netzwerke, bringt den Comic in die Zukunft!

Trotzdem gab es in Frankfurt interessante Tendenzen zu beobachten. Ein etwas unkritischer, allerdings umso ausführlicheren Bericht gibt es bei comic.de. Den spannenderen Bericht gibt es hingegen auf der französischen Seite actuabd.com, für die, die des französischen mächtig sind, denn dort gibt es den Blick von außen auf die deutsche Szene. Willkommen bei den Kleinverlegern, Bande dessinée!

Wo die moderne Bildgeschichte steht, lässt sich an den Neuerscheinungen ablesen und dort erscheint vieles, was dem Nischendasein enteilen sollte. So auch die sicherlich intellektuellste Neuerscheinung der Buchmesse, den bei Edition Moderne erschienene Band "Die heilige Krankheit" von David B. Ein opulentes Buch. Ein wichtiges und ein intelligentes Buch. Grafisches Erzählen par excellence. Dieses Buch wird hoffentlich wieder ein Rauschen im Feuilleton-Blätterwald hinterlassen. Und das ist richtig so. David B. gehört neben Lewis Trondheim< (siehe reprodukt.com), Sfar (siehe avant-verlag.de), Blain (reprodukt.com) und Larcenet (reprodukt.com) zu einer Riege von französischen Zeichnern, die den Comic stetig erneuern. Wenn das bitte nur mal das große Publikum zur Kenntnis nehmen würde...

Denn das Zauberwort der Stunde ist in der Szene die Graphic Novel. Mit anspruchsvollen Inhalten in den Buchhandel, so die Parole. Und in Amerika gibt es ähnliche Tendenzen, weshalb viele interessante Werke auch von dort stammen. Ob nun der Urahn dieser Gattung Will Eisner heißt, oder ob es Art Spiegelman mit "Maus" war, die Graphic Novel wird in Deutschland noch für viel Furore sorgen. Obwohl sich da die Verlage an gemeinsamen Zielen abarbeiten, wagen wir die These, dass es um Werke wie Fun Home (houghtonmifflinbooks.com) oder American Born Chinese (firstsecondbooks.net) noch viel Gerangel in der hiesigen Verlagslandschaft geben wird.

Ein weiterer Trend der ebenfalls aus Amerika kommt ist der Nachdruck von bekannten Zeitungsstrips. Die Gesamtausgabe der Peanuts (carlsencomics.de), gab es in Frankfurt erstmals zu Bestaunen. Diese ist bibliophil so schön, dass sie eigentlich in Design- und Kunstläden stehen müsste. Dem Designer Seth gebührt das ganze Lob. Aber auch andere Serien werden chronologisch nachgedruckt, Calvin und Hobbes z. B. oder gar Prinz Eisenherz für den sich ein Comicladen (Frankfurter Fach-jargon: co-la) einsetzt, der bocola-Verlag. Mal schauen, ob mit den Nachdrucken wirklich an das Geld aus den Taschen der Menschen zu kommen ist. Wir drücken die Daumen und hoffen auf weitere Nachdrucke. Material ist genug da, die Frage, die man sich allerdings stellen sollte ist: rückwärts- oder vorwärtsgewandt? Eine gute Mischung aus beiden hieße Stillstand. Das will niemand. Nicht jetzt. Wie Paracelsus schon sagte: Auf die Dosis kommt es an.

Dies gilt auch für eine weitere verlegerische Überraschung. Nur so viel: Jeff "Superstar" Smith wurde zum Einäugigen unter den Blinden, indem seine Reihe Bone nun ihre Heimat im gänzlich vom Manga umzingelten Programm von tokyopop auftaucht. Eine äußerst schöne und vor allem äußerst preisgünstige Ausgabe. Eine der Neuerscheinungen der Messe. Auch ein Versuch (aufgepasst Großverlage): Gute Comics, günstig in angemessener Verpackung. Es ist wohl nicht nur dem Steckenpferd des Verlagsleiters zuzurechnen, dass diese Serie erscheint, sondern auch einem überfütterten Mangamarkt, denn wie viel Taschengeld sollen die Kinder noch verlangen um all diese Manganovitäten kaufen zu können? Das Knirschen im Gebälk ist weithin hörbar.

Das absolute Highlight der Veröffentlichungen ist allerdings der Band Cash (carlsencomics.de) von Reinhard Kleist. Ein absolutes Muss. Kaufen, und in Ruhe auf sich wirken lassen. Cash ist grafisch dermaßen atemberaubend, dass man beim Lesen vergisst, dass ihn ein deutscher Künstler gefertigt hat. Ganz großes Kopfkino und ein Reinhard Kleist auf der Höhe seiner Erzählkunst. Ein ganz heißer Anwärter für den Max und Moritz-Preis in Erlangen. Ach, das ist erst wieder 2008? Macht nichts, solche Messen verkürzen die Zeit und wir können wieder genauer hinschauen. Wer zwischen den Zeilen des Comic lesen möchte, ist auf einer solchen Messe gut aufgehoben. Die Faszination bleibt. Gut gemacht, Frankfurt!


oben