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Roberto Cabot (neu)
Texte für Niobe
"Honey From The Frozen Land"


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Thomas Kling
den sprachn das sentimentale abknöpfn


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Alexander Kunz

FÜR PETER HANDKE


Die reale Vision: Ich seh Peter Handke. In einer Umgebung, der einzigen ihm angemessenen: Ein Wald. Ich bin nicht ein Freund des Waldes, mich widert die Natur an. Genuin. Doch in diesem Fall, in dieser Vision, kann ich den Wald schön finden. Man sieht Peter Handke, in Würde gealtert. Er sieht besser aus inzwischen. Aber auch so:

(Intermezzo, erlebtes: Der Kunde an der Kasse sieht das Handke-Poster vom Suhrkamp-Verlag hinter mir und brüllt los: "Die arrogante Sau. Ich habe letztens ein Spiegel-Interview mit dem da gelesen. Der ist ja unglaublich arrogant. Und das mit Serbien........das gibts nicht).

so: ein Dichter und Denker. Erhabener Phänotyp, sag ich, und ich stehe dazu.

Nun, ich beobachte Handke. Er schreitet gemächlich durch den Wald. Das erste mal seit seiner Geburt ein Lächeln um die Mundwinkel. Angedeutet. Wie die Sonnenstrahlen einfallen.......
Ein Mädchen. Aha, Lucie in dem Wald mit dem Dingsda. Sie verstehen sich gut. Ich glaub es ist seine Tochter. Sie muß es sein, wie ich später durch die Dokumentation zu seinem 65. Geburtstag erfahre.

Gehen. Sitzen. Reden. Denken. Rast machen. Die Natur. Das Dasein. Holzwege.

Und dann plötzlich das: Irgendjemand, ich weiß nicht wer, vielleicht eine unsichtbare Hand, hebt die Wasserdecke des Waldsees hoch. Vom Ufer aus hebt er die Wasserdecke hoch. Und Handke und das Mädchen gehen in den See. Unter die hochgehobene Wasserdecke.

Ein paar Minuten später: Handke geht jetzt alleine durch den Wald. Ein Spaziergang eines Denkers. Eines großen Denkers. Einer der letzten großen Denker, das ist Handke. Und mitsamt seines stolz vor sich hergetragenen Denkerpeinlichkeitsballasts ist er dennoch unbeschreibar weniger peinlich als bspw. Elke Naters mit auch nur einem x-beliebigen Satz aus einem ihrer stumpfen Wohlfühlbücher. Denn Handke sagt der Naters-Schlampe ins Gesicht: Du belügst dich mit deinem Wohlfühlen, das gibts nicht, es gibt aber, und das ist immer anwesend, das Universum des Schmerzes. Da leben wir, du dumme Nuß. Und er haßt die Deutschen und den Staat erst recht. Er haßt den Staat überhaupt.

Die Popliteratur ist tot, es lebe die Rückkehr in die Innerlichkeit.

Und auch ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms.

Epilog: Handke geht weiter. Der Wald in voller Schönheit. Über ihm fliegt ein Vogel aus prähistorischer Zeit. Aber der Vogel wirkt unwirklich. Vielleicht eine Marionette. Das Dingsda. Der Schnabel klappert. Es wirkt, als lache der Vogel. Doch Handke stört sich nicht daran.

 

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