Lesungen

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Catherine Millet

Alexander Kunz
Kirchhoff / Meinecke

Alexander Kunz
Roland Koch in der KHG

Corinne Schneider
Und das Subjekt existiert doch -
Ein Claude-Simon-Abend


 

Alexander Kunz :

ROLAND KOCH IN DER KHG

Dieser Report ist der Auftakt zu einer Reihe, in der Eindrücke von Lesungen wiedergegeben werden. Davon gibt's ja mittlerweile recht viele hier in Köln und anderswo. Lesungen sind praktisch, da sie einem viel Lesemühe und mitunter sogar den Kauf von überflüssigen Büchern ersparen.
So, der Roland Koch war also gestern in der Katholischen Hochschulgemeinde in Köln-Sülz und wir haben alle nicht so viel erwartet, nachdem, was man über seinen neuen Roman "Paare" gehört hat. Halt Kiepenheuer & Witsch-Literatur, bißchen belanglos, oft zu sehr. Aber was soll´s, Zeitgeist muß halt auch mal sein, es darf eben nur nicht zu viel werden. Alles, was ich vorher wußte war: Es geht um ein Mitdreißiger-Ehepaar, es kriselt arg, gerade da, in den Mitdreißigern und in der Ehe. Die Szenen dieser Ehe setzen sich zusammen aus der Perspektive der werten Gattin einerseits, aus den bescheuerten Tagebuchaufzeichnungen des Schnösel-Ehemanns andererseits. Und dann eben die anderen bewährten Zutaten, wie: Kunstgeschichtsstudium, Psychotherapie, nouvelle cuisine mampfen usw., damit der Klischee-Roman eben auch wirklich voll ist.
Aber was ist daran auszusetzen, dachte ich gestern bei der Lesung. Eigentlich nichts, doch halt!: ich will so was einfach nicht lesen. Ich will erstens nicht schon wieder einen Vertreter des Neuen Deutschen Geschwafels vor mir haben, ich meine in Buchform, mit langweilig gebauten Sätzen, mit Schilderungen des Banalen und des An-Sich-Bedeutungslosen, das fängt langsam an zu nerven. Auch brauche ich keine feinsinnige Beobachtung der Vertreter dieser Phänomene, keine Eins-zu-Eins-Wiedergabe von Tischgesprächen in Nobel-Restaurants, o.ä.. Nein, all das brauche ich mir lesend nicht antun, dafür kann ich auch den Fernseher anmachen oder über die Ehrenstraße schlendern, das macht mehr Sinn, das eine kost nix und beim zweiten kommt man an die frische Luft.
Aber die Lesung tat dann doch gut. Denn drei Kapitel als Stichproben dargeboten sind nicht zuviel. 3 mal 15 Minuten macht eine Dreiviertelstunde, das ist o.k.. Und es war unterhaltsam, eine Qualität, die ich bei der Lektüre des ganzen Romans wahrscheinlich nicht wahrnehmen würde, dachte ich anschließend, denn dann ist mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Frage abzusehen: So what?
Zeitdiagnose hin oder her, es war die unglaublich trockene Art des Vorlesens, ebenso wie die Beantwortung der Fragen anschließend, die überzeugte. Fast schon ins Gelangweilte lappend, aber gekonnt. Was für den Zuhörer nicht langweilig war, nein es war eher bisweilen amüsant. Oder manchmal auch haßfördernd. Kein Mitleid mit den Figuren des Buches, nein, Haß war angesagt. Umso seltsamer die Bemerkung von Roland Koch, er habe im Verlauf des Schreibens Zuneigung zu seinen Figuren entwickelt. Keine Ahnung warum, vielleicht eine Frage des Alters. R. Koch sah auch verdammt abgeklärt bis zünftig aus, so im grün-braunen Kettler-Look, so laufen eigentlich nur gestandene Halbaristokraten aus Köln-Marienburg oder Lindenthal rum. Während die Protagonisten von "Paare": ich vermute, sie kleiden sich bei Cita di Cologna ein und laufen dann auch noch in aller Öffentlichkeit damit rum. Was ist das? Geschmacklos! Ach was solls, das ist eben die Yuppie-und Midlife-Crisis-Hochburg Köln und so wird's wohl immer hier bleiben. Ob ein Buch wie "Paare" was dagegen setzt, wage ich zu bezweifeln, Lifestyle im Leben und in den dazugehörigen Büchern heißt eben auch ironische Selbstbetrachtung von Außen, welches diese Bücher konstruieren wollen.

Alexander Kunz


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