TEXTE

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Roberto Cabot (neu)
Texte für Niobe
"Honey From The Frozen Land"


Leif Trenkler
Thomas Kling
den sprachn das sentimentale abknöpfn


Achim Wagner
Frankys Curry-Station

Alexander Kunz
Für Peter Handke

Olaf Karnik
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• Black Earth Elend Trivium
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Gedichte
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Roland Schappert

                                                               

IN der Küche

SEINE Ohrclips waren lang
Ihre Ohrclips waren wadenlang
Auch das gehört der Vergangenheit an
Ab und zu denk ich dran
Die Merinowolle
die Lodenstulpen
All das Geflatter
Die Mieder hatte sie selbst bezahlt
Alle ÜBRIGENS

(Jahrbuch der Lyrik 2003, C.H. Beck Verlag, München)

 


NUR ein Wasserteich
Keiner wusste so genau warum
Warum auch
Du warst nicht da
um an den Seen zu oasen
Wir nahmen es als Anlass
als Testfall
Kristalle zu züchten
Dies hatte aber keinen SINN


VERTEUFELT du
Der es nannte
So still wie das Moos
an der Tür des Irren
verfault
So trunken die Erinnerung
des Irren
der das Zwiegespräch
von dem du sprachst
SUCHTE


ZWEITE Strophe erstes Lied
Erstes Lied Pause
Drittes Lied Textübereinstimmung
mit zweitem Lied
Erste Strophe Pause
Zugabe keine bloß 5 min schön
raus war sie
Inhalt Liebe Sozialkitsch
Schon AUS


...


FÄHRST du allein
Blitzt selbst
die URLAUBSERINNERUNGEN


AUF See erbrochen
Faseriges entschwommen
Im Kielwasser gelöst
Die fleischfarbene ORCHIDEE


DIE Flasche fest im Griff
An der Bar festgehalten
Die schaut dir zu
Diese pinkene Orchidee
Rosa Hemd aus der Hose
Gezupfte Strümpfe
Ein wenig Erbrochenes
auf dem Anthrazit
Zuerst Konzert der Slingpumps
Bevor der Absatz bricht
an der Reling später
sieht man es kaum
Diese pinkene Orchidee
Vor nachtblauem Himmel
Kurzerhand AUSGELUDERT

RESTE

BASSANO del Grappa. Die Turmuhr zeigt 8.20 Uhr. Der Torre Civica steht stumm. Auch nach dem zweiten Capuccino. Acht Uhr zwanzig. Bon Giorno. Es füllt sich die Stadt. Die Tauben sitzen in der Schale, beträufeln ihr GEFLATTER.

DAS Café Commercio in Feltre. An der Stufe zur Altstadt. Kommunalisiert sich das Treiben. In Grenzen. Ikeastühle in beige vor den Stufen. Spaten Bier aus München. Düfte aus der REGION.

DOCH zu Hause wartet die Kulturnation. Der Identitätsklebstoff, Leitkultur, ein Goodwill. Der G-String der Gesellschaft, der sich abstreifen LÄSST.


Kallwass II

DIESMAL holen sie mich mit dem großen Mercedes ab. Neu und sehr groß. Der hagere Fahrer spricht nicht, stand aber vermutlich 5 Minuten zu früh mit seinem Schild am Bahnhof: "Film Pool". Ich sah das Schild und ihn sofort. Ich komme aus dem Bahnhof, die Taschen sind im Schließfach verstaut. Christian Ziege ist draußen. Die Koreaner werden wie die Feuerwehr beginnen. Die 30-minütige Fahrt ist längst vergessen, die ersten Brötchenhälften verzehrt. Neuville und Klose spielen. Kahn, der Meister, der Titan, im Tor. Ballack und Bode spielen, Hamann und Schneider, Metzelder, Ramelow, Linke und Frings. 50,1 % tippen Deutschland und Brasilien ins Endspiel. Sie werden recht behalten, das erfahre ich aber erst Tage später. 700 deutsche Schlachtenbummler im Stadion von Seoul. Ich esse alles schnell und durcheinander. Viele Wurstbrötchen, Fleischsalat, Schinkenbrötchen, Tartarbrötchen, Mettwurstbrötchen, Teewurstbrötchen. Meine Freundin ist Vegetarierin. Ich stelle mir einen Sessel direkt vor den Glastisch, der unmittelbar vor dem Fernseher steht. Ich habe den besten Platz und die Fernsteuerung. Ich mag es gerne laut. Neben mir sitzt ein Experte, er philosophiert über Ronaldo, die Türken, den Elfmeter. Korea. Und Klose soll das sechste Tor schießen. UND jetzt LOS. Und wo ist das Funkgerät, ruft ein Regieassistent. Wir müssen ja auch drehen. 62.000 Fans sind im Stadion. Rudi im hellblauen Hemd. Die Koreaner gewinnen einige Kopfballduelle. In der Pause 0:0. Literatur kann mehr leisten. "Die Deutschen haben in der zweiten Halbzeit das Spiel hinten entwickelt und vorne abgeschlossen." Ballack ist zwar für das Endspiel gesperrt, schießt aber das entscheidende 1:0. Der Vater braucht ne neue Frau, da schreibt die Tochter Kontaktanzeigen. Die Tochter hat nen Freund, der Vater ist Lehrer und weiß davon, nur von den Kontaktanzeigen nichts. Da kommen sie zu Kallwass, die Tochter holt die Kontaktfrau, der Lehrervater die Biolehrerin, da sagt die Tochter: Nee, doch nicht die Otte, die ist nichts für dich. Und das will ich nicht, dass du und die ein Paar. Versöhnt euch, ihr habt Zeit, seid jung und schön. Und die Otte wird nicht deine Biolehrerin bleiben können, wenn die Lehrer ein Paar sind und der Direktor davon erfährt, sagt die Kallwass. Der andere Fahrer auf dem Rückweg in dem großen Mercedes spricht mit mir.


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